Gurkenvielfalt


Auf die krumme Tour

"Sie ist die grüne Wurst, macht Appetit und löscht den Durst" - das ist das Klischeebild der Gurke. Über 50 KonsumentInnen und Fachleute sowie ein Kamerateam der ORF-Sendung „Eco“ wollten mehr wissen und ließen sich beim frühherbstlichen FiBL-Tasting_forum in eine schier unglaubliche Gurkenvielfalt entführen.

Gurken gehören zu den Top vier der beliebtesten Gemüsearten der ÖsterreicherInnen. Sie werden in zwei grundsätzlich verschiedenen Anbauvarianten produziert: Salatgurken stammen aus Gewächshäusern im Wiener Raum, die Einlegegurken werden vor allem in Ober- und Niederösterreich großflächig angebaut. Anbautechnisch haben die Gurken eine lange Tradition: die OstinderInnen kultivierten die Echten Gurken schon vor 5000 Jahren, die alten GriechInnen liebten die damals wahrscheinlich noch bitteren Früchte ebenso wie die RömerInnen. Heute sind die Gurken weltweit verbreitet.

Die Verkostung von bei uns noch weitgehend unbekannten Gurkengewächsen in der historischen Schönbrunner Kammermeierei bot eine geschmackliche Abenteuerreise, die mit einem Gurkencocktail ein versöhnliches Happy end fand:

Schwammgurke, glatt
Mild, nussig, erbsig aber auch grasig waren spontane Assoziationen zu den formmäßig an Zucchini erinnernden glatten Schwammgurken. Verkostet wurden junge Früchte in rohem Zustand, denn ausgereifte Früchte können mehr als 50 cm lang werden. Innen entsteht dann ein fasriges, elastisches Gewebe, das in Indien getrocknet als Schwamm, als Füll- und Filtermaterial verwendet wird. Note: 2,2

Schwammgurke kantig
Ähnlich positive Assoziationen mit exotischen Anklängen von Paranüssen weckte die kantige Sonderform der Schwammgurke, die mit ihren Längsrippen vor allem in Scheiben geschnitten ein bizarr sternförmiges Aussehen ergibt. Note: 2,5

Schlangenhaargurke (Haarblume)
Auch mit den Aromen der absurd verdrehten, leuchtend grünen Schlangenhaargurke kamen die Gaumen der VerkosterInnen gut zurecht. Das grüne Fruchtfleisch erinnerte entfernt an süßliche Zuckererbsen, aber auch an erfrischenden Spargel. Von besonderer Schönheit sind zudem die feingliedrigen, weißen Blütenblätter, die einen süßen Duft verströmen. Note: 2,6

Cherrygurke (Haarweibchen)
Die aus Nordamerika stammende Minigurke wurde rasch zum sympathischen Star des Abends. Die knackig-frische, leicht säuerliche Gurkennascherei wird gerade einmal olivgroß und schaut weiß-grün gescheckt äußerst dekorativ aus. Als Cocktailgemüse bestehen für diese Minivariante einer Gurke beste Zukunftsaussichten. Note: 1,6 Testsieger

Bittergurke (Balsambirne)
Der Außenseiter Bittergurke stellte zu hohe Anforderungen an die Aufgeschlossenheit der VerkosterInnen. Nur wenige fanden hinter bzw. neben dem ausgeprägten Bittergeschmack noch grasige, säuerliche und nussige Komponenten. Interessanterweise fanden sich aber auch einzelne unerschütterliche LiebhaberInnen der Bitternis. Unabhängig davon schauen wirklich reife Bittergurken mit ihrem intensiven Orange sehr schön aus, besonders wenn sie aufgeplatzt die leuchtend roten Samen zeigen, die aufgrund ihres hohen Zuckergehalts von indischen Kindern gerne als Süßigkeiten genascht werden. Note: 3,9

Jiaogulan (Kraut der Unsterblichkeit, Frauenginseng)
Das „Kraut der Unsterblichkeit“ lief außer Konkurrenz mit, da es nicht zu den Spezialgurken aber doch in die botanische Verwandtschaft gehört. Jiaogulan werden ja nahezu magische Kräfte nachgesagt, da es die gleichen Wirkstoffgruppen wie Ginseng enthält, immer ausgleichend, balancierend und verjüngend wirkt und zudem für Frauen besser verträglich ist. Der Geschmack der Blätter wurde – für unsere Gaumen äußerst ungewohnt – als Kombination aus süßlich und bitter wahrgenommen. Note: 2,8

Der von Jürgen Schmücking komponierte und gemixte Abschlusscocktail lullte jede Spitzzüngigkeit erfolgreich ein und so waren sich alle einig: fangen wir die Gurkenvielfalt gemütlich mit den schicken Cherrygurken an, das mit den Bittergurken wird schon noch werden. Schlussendlich schmeckte auch das erste Bier nur bitter!



Gurkencocktail (für 6 Cocktails)

1 Bio-Salatgurke, 400 ml Bio-Grüner Veltliner, 200 ml Bio-Holunderblütensirup, Soda zum Aufgießen und ev. Minze zum Garnieren.
Zubereitung: Gurke waschen, schälen, die Enden entfernen und dann in ca. 5 -7 cm dicke Stücke schneiden. Dann Gurke, Holundersirup und Wein in den Blender oder Elektromixer geben. Den dicken Brei, der dadurch entsteht, durch ein grobes Sieb streichen, der Siebinhalt kommt wieder zurück in den Blender. Etwas vom Rückstand kann zur Stärkung der Textur in den Cocktail, der Rest ist eine fabelhafte Grundlage für ein süßes Gurkendessert. Den Cocktail in Longdrink-Gläser (Eiswürfel nicht vergessen) abseihen und mit einem Schuss Soda/Mineralwasser aufgießen, das erhöht Spritzigkeit des Cocktails.