East Side Story

Asia-Salate – Neue Küchenstars frisch aus dem kalten Glashaus

Salatverkostungen zählen nicht gerade zu den gesellschaftlichen Klassikern. Noch nicht, denn die Asiasalat-Verkostung des zweiten FiBL-Tasting_forums lockte knapp 70 Interessierte in die historisch schöne Kammermeierei im Schönbrunner Schlosspark. Während in Bernsteins West Side Story die tragische Komponente überwiegt, brachte der Abend mit den in Österreich neuen „Asiaten“ vom ersten bis zum letzten Akt freudige Überraschungen.

Wolfgang Palme, Leiter der Gemüsebauabteilung der HBLFA Schönbrunn, hatte bereits 2007 so eine Ahnung, dass Asiasalate auch in Österreich eine große Zukunft haben. Also baute er im damaligen Herbst sowohl im Folientunnel als auch im Freiland eine breite Palette des raschwüchsigen Asia-Salatsortiments an. Seither kamen ihm mehrere Zufälle zu Hilfe. Heute machen die Pflänzchen mit den exotischen Namen – zwar noch im kleinen Rahmen, aber immerhin – in der Spitzengastronomie wie auch als Vorzeigeprojekt eines klimaneutralen Glashaus-Biogemüseanbaus Furore (siehe auch Bio-Fibel 5-2009 „Asiaten, die aus der Kälte kommen“).

Bei der Verkostung ging es vordergründig um ein Erleben der unglaublichen Geschmacks-, Aromen- und Formenvielfalt der neuen Salate. Das Verkostungsdesign war denkbar einfach. JedeR TesterIn bekam in einem Becher acht frische Asiasalatblätter im Babyleaf-Stadium, also einer Größe von 6-8 cm. Verkostet wurden die rohen Blätter hintereinander und die Eindrücke wurden in einem Fragebogen für eine Diplomarbeit mit Schulnoten wie auch mit Stichworten beurteilt und klassifiziert.

Mandovi
Ein Salatkohl (Mizuna) mit federähnlich geschlitzter, glänzend grüner Blattspreite und mit schlanken, weißen Stielen. Feinwürziger Senfgeschmack mit Anklängen an Kohl, Pilzen und Pinien. Geschmeidiger, angenehm weicher Biss. Note: 1,93

Tama
Eine glänzend dunkelgrüne Tatsoi-Selektion mit löffelförmigem, glattrandigem Blatt auf kurzem Blattstiel. Alleine verkostet zwar saftig senfig und auch nussig, im Vergleich zu Mandovi aber doch eher fad, eine Spur bitter oder sogar seifig. Note: 2,27

Amur (Chinesischer Kohl)
Eine kräftig rote Pak Choi-Züchtung mit sehr stabilem, gut haltbarem, leicht gewölbtem Blatt mit kurzen Stielen. Deutlich kohl- oder kohlrabiartig, zuerst neutral und fad, später Richtung Essig gehende Schärfe, eher ledrig-fleischige Konsistenz. Note: 2,27

Golden Streaks
Ein Blattsenf mit gelben Blättern und sehr würziger Senf- bis Krenschärfe, dabei aber auch sehr zart mit einem süß-säuerlichen Unterton. Ein nachhaltiges Geschmackserlebnis! Note: 1,75 Testsieger

Agano
Ein tiefgeschlitzter Blattsenf mit hellrot gefärbten Blättern bei weiß-grünen Blattstielen. Noch schärfer und senfiger als Golden Streaks, gröber und fasriger im Mund, als Salatpartner wahrscheinlich sehr interessant. Note: 2,16

Bloody Mary
Ein Blattsenf mit leuchtend rot gefärbter Blattspreite und hellgrün abgesetztem Blattstiel. Fast knusprig dabei aber sehr saftig, krenartige, etwas uneinheitliche Schärfe mit einem bitteren Anflug. Note: 2,11

Red Giant
Ebenso ein Blattsenf mit sehr schönen, roten Blättern mit explosiv, gut eingebettetem, wasabiähnlichem Aroma, auch sehr knusprig und saftig. Note: 1,79

Kanda (Blattsenf)
Hellgrün gefärbter Blattsenf mit ausgeprägter Blattbuchtung und anfangs angenehm mildem Senfaroma, das turboartig an Schärfe gewinnt. Sehr würzig und voll. Note: 1,82

Um nach dem doch sehr fordernden und atmosphärisch dichten Verkostungsteil das zweite FiBL-Tasting_forum würdig zu finalisieren, hatte Jürgen Schmücking (Biogenussmarketing) von seiner kurz zuvor beendeten Japanreise Bio-Natto und Bio-Sake zur Verkostung mitgebracht. Bei Natto handelt es sich um traditionell auf Reisstroh fermentierte, vergorene Sojabohnen, die der japanischen Landbevölkerung nach wie vor als wichtiges Grundnahrungsmittel dienen. Das äußerst strenge Natto-Aroma und die schleimige Konsistenz der Sojabohnen überforderten viele der VerkosterInnen ebenso wie der ungewöhnliche Abgang des weißlich-trüben Reisweins. Die Meinung der VerkosterInnen war somit einhellig: „Wir müssen ja keine JapanerInnen werden, schlussendlich passen die Asiasalate ganz ausgezeichnet auch zu einem Schnitzel.“

Das zweite FiBL-Tasting_ forum hat jedenfalls gezeigt, dass es sich wahrhaft auszahlt, die raschwüchsige Asiasalatvielfalt selber anzubauen, frisch zu ernten und ebenso frisch zu genießen. Dazu streuen Sie einfach Salatsamen in ein Blumenkisterl am Fensterbrett oder vom Frühjahr bis in den Spätherbst in ein Gemüsebeet und bei guter Witterung können Sie bereits nach 14 Tagen die ersten Babyleaf-Salate ernten und Ihren gewohnten Salat mit exotischen Farben und Aromen veredeln. Bio-Saatgut erhalten Sie z. B. bei www.reinsaat.at oder www.hildsamen.de.

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