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Bio-Basis-Spirituosen aus Österreich und der Welt

Gleich beim ersten Termin des neuen FiBL Tasting_forums gingen wir ans Eingemachte: Bio-Basissprituosen, also jene Gruppe der härteren Abteilung, die sowohl in den großen und legendären Drinks der Welt das alkoholische Fundament bilden, aber auch für sich alleine für Legenden gut sind. Die österreichischen Bio-Destillate hinterließen in jedem Fall einen bleibenden Eindruck.

Es gibt Dinge, die man einfach haben muss. Will man in seiner Hausbar ein wenig mehr Vielfalt als „das Schnapserl“ nach dem zu schweren Essen, dann kommt man an den sechs Basisspirituosen nicht vorbei. Die Rede ist von Rum, Whisk(e)y, Vodka, Gin, Teqilla und Brandy. Das Angebot an Spirituosen ist fast unüberschaubar. Entscheidend ist jedoch nicht die Menge an Flaschen in einer Hausbar, sondern deren Qualität. Erfreulicherweise wird zwischenzeitlich jedes dieser Edeldestillate von international führenden Marken auch in Bio-Qualität angeboten. Überraschenderweise gibt es aber auch Bio-Whisky, Bio-Vodka, Bio-Gin, Bio-Weinbrand und Bio-Rum aus Österreich. Nachfolgend haben wir ein paar Eindrücke des hochgeistigen Abends destilliert.

Norderd pure potato vodka
Ein ganz neuer Bio-Kartoffelvodka aus dem Waldviertel von Hans Ackerl (siehe Bio-Fibel 5-09) eröffnete den Verkostungsreigen. Die zahlreich vertretenen Experten waren sich rasch einig: die Entdeckung des Abends. Kristallklar, sauber, jugendlich, enorm ausgeprägtes und expressives Aroma nach Kartoffelstärke, süßlichem Marzipan mit zarten Graphitnoten. Insgesamt barock und opulent, am Gaumen streichelweich mit mildem Druck.

UTKINS UK 5 Organic Vodka
Das internationale Pendant dazu stürzte im direkten Vergleich ein wenig ab, auch wenn es für sich ein hervorragender Getreide-Vodka – dem Vernehmen nach mit Roggen aus dem Weinviertel – mit hoher „Bareignung“ ist. Klar, sauber, leicht zitronig, in jedem Fall unglaublich helle Töne, zestig und feingliedrig, am Gaumen etwas schärfer mit insgesamt neutralerem Eindruck.

O.Gin
Josef Farthofer wollte auch auf dringendes Nachfragen von seiner Bio-Ginproduktion nicht mehr verraten, als eigentlich eh klar war: bester Bio-Getreidealkohol aromatisiert mit Wacholderbeere, Zitronenschalen und ein wenig Piment. Sauber, klar, hocharomatisch und frisch, asiatischer Touch, Anflüge von Ingwer und Zitronengras. Ein sehr eigenwilliger, hochgradig verführerischer Gin.

Juniper Green – Organic London Dry Gin
Im Vergleich dazu ein internationaler Klassiker. Ein blitzsauberer, typischer Dry-Gin mit braver (klassischer) Gewürzmischung: Wacholder, Zeste, Pfeffer, eventuell Paradiesapfelkerne. Enorme Ausdruckskraft.

Single Malt Whisky
Ein sehr eigenwilliges Destillat. Sepp Hochmair – sonst über jeden Zweifel erhabener Obstbrenner – nennt es auch ein „interessantes Nischenprodukt“. Stark ausgeprägt, jugendlich und trotzdem tiefgehend malzig. Anklänge von dunkler Schokolade und Malzkaffee. Am Gaumen ruppig und rau. Nichts für Malt-Manics!

Benromach Organic Single Malt
Als Herausforderer trat der erste kommerziell bedeutsame schottische Bio-Whiskey an. Sauber gemachter, braver Single Malt, weich, leicht torfig, erinnert an alte Sherryfässer und getoastetes Brot.

Gold Rum
Wieder eine Innovation vom Malznerhof. Importierte Melasse, oberösterreichische Brenntechnik, Reifung in Mühlviertler Eichenfässern. Klar schokoladige Noten, weich, Rum- Kokos, etwas gebrannte Mandeln. Am Gaumen wieder kühl und … oberösterreichisch eben.

Papagayo Golden Rum
Punktesieg für den Internationalen, obwohl auch dieser Rum nicht zu den Überfliegern gehört. Malzige Noten, Kakaobohne, leicht tabakig, eher breites, ausladendes Aroma. Am Gaumen nicht mehr ganz so filigran.

Eisweinbrand Pinot Noir
„Nur nicht zu viel erwarten, das Destillat ist ein Brand und kaum mit einem Cognac vergleichbar und ist mehr als Hobby angelegt“ dämpfte Werner Michlits bei der Produktvorstellung die hohen Erwartungen. Allerdings: Ein toller Weinbrand mit rauchig, trestigen Noten, sogar noch ein wenig hefig, am Gaumen dann Gerbstoff und Druck pur und unheimlich lang anhaltend.

Bio Attitude - Cognac
Leider kommt der Bio-Cognac nicht annähernd an die sehr guten konventionellen Gourmel-Pendants heran: Plumpe Süße, Karamellnoten - aber nicht fein integriert - irgendwie künstlich. Dazu deutlich grüne Holznoten. Das geht sicher noch besser.

Am Schluss des Abends stand jedenfalls fest: Bio ist auch bei den pur genossenen Basisdestillaten ein Geschmacksfest für den Gaumen.