Sulmtaler-Hühnermast

Ein langsam wachsendes Praxisprojekt

In einem Praxisprojekt von Ende Jänner bis Anfang Juli 2009 wurde auf zwei niederösterreichischen Praxisbetrieben das Heranwachsen von jeweils 100 Sulmtalerhühnern begleitet. Leider hat sich das Sulmtalermastprojekt in der Auswertung der Ergebnisse dann doch als zu praxisnah herausgestellt, denn die verpflichtend vorgesehenen Aufzeichnungen erwiesen sich schlussendlich für eine statistisch relevante Auswertung als zu unsicher.

Was man dennoch sagen kann: Die Hühner und Hähne sind trotz widriger Haltungsumstände (Einstallung zu einer Zeit, wo es in Österreich wirklich kalt war, sehr einfache Stallverhältnisse, sehr nasses Frühjahr …) gut gewachsen. Die Hähne haben in Woche 16-17 zu krähen begonnen, was zu Verstimmungen mit den Nachbarn geführt hat und im Weiteren zur Schlachtung bzw. Lebendweitergabe der Hähne in LW 18. Die Hennen wurden mit 21 Wochen geschlachtet oder lebend weitergegeben.
Der sich aus den Daten des aktuellen Projekts errechnete Endverkaufspreis würde etwa bei mindestens EUR 20,- bis EUR 25,-/kg liegen.

Ein konventionelles Masthendl wird gerade einmal 30 Tage alt bis es geschlachtet wird. Bio-Masthendln dürfen nicht nur ins Freie, sondern haben mit zumindest 81 Tagen auch deutlich mehr Zeit zum Wachsen.


Konventionelle Hühnermast – enormes Tempo erzeugt Tierschutzprobleme

Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass die derzeit für die konventionelle Geflügelfleischproduktion gezüchteten schnell wachsenden Hybriden selbst bei optimaler Gestaltung der Haltungsbedingungen kaum artgemäß gehalten werden können. Die seit Generationen durchgeführte Selektion der Masthybride auf schnelles Wachstum und hohen Muskelfleischansatz haben schwerwiegende Probleme mit sich gebracht, die sich nachweislich negativ auf die Gesunderhaltung und das Verhalten und somit auch auf das Wohlbefinden der Tiere auswirken. Bei Masthühnern wurde durch eine gezielte Verschiebung der Wachstumskurve in jüngere Lebensabschnitte die Mastdauer enorm verkürzt. Die gebildete Muskelmasse ist für das im Vergleich noch wenig stabile Stützsystem zu schwer, wodurch die weitere Osteogenese in den Knochen beeinträchtigt wird. Die damit einhergehenden Konstitutionsdefizite äußern sich vor allem in Beinschwächen und Beinschäden, die eine hühnergemäße Fortbewegung der Tiere erschweren oder verhindern, den Tieren Schmerzen und Leiden bereiten und somit nicht nur wirtschaftlich (Ausfälle, mangelnde Fleischqualität) sondern bzw. vor allem auch tierschutzbedingt für die Biologische Landwirtschaft untragbar sind.


Bio-Hühnermast – gute Erfahrungen mit robusten Masthybriden

In der Hühnermast der Biologischen Landwirtschaft werden heute speziell gezüchtete Robust“rassen“ eingesetzt. Diese robusten Masthybriden eignen sich aufgrund ihrer anatomischen und physiologischen Voraussetzungen gut für die Mast in extensiver Auslaufhaltung bei reduzierter Fütterungsintensität mit heimischen Bio-Futtermitteln. Während bei den schnell wachsenden konventionellen Masthybriden die Muskelentwicklung dem Skelettwachstum regelrecht davonläuft, zeichnen sich die Robustherkünfte durch eine angemessene Jugendentwicklung aus. Sie zeigen in der Starterphase stärkeres Knochenwachstum, der Muskelfleischansatz erfolgt erst später. Die Tiere können sich daher im vielfältigen Lebensraum einer strukturierten Stallhaltung mit angrenzendem Grünauslauf arttypusgemäß bewegen und alle angeborenen und erlernten Verhaltensweisen ausleben.


Sulmtalermast

Der Anfang Februar 2009 gestartete Versuchsansatz geht einen Schritt weiter und will klären, in wie weit die Mast einer alten, gefährdeten Haustierrasse, ohne gezielte Zucht durch ein professionelles Zuchtunternehmen, qualitativ hochwertiges, wohlschmeckendes Geflügelfleisch erzeugen kann. Dabei sind folgende Eckdaten wesentlich: tiergerechte Haltung ohne ethologische Auffälligkeiten bei gutem Gesundheitszustand der Tiere, Bio-Fütterung mit heimischen (regionalen) Futtermittel (ohne ausländisches Soja), gleichmäßiges Wachstum der Tiere (möglichst kein „Auseinanderwachsen“ der Tiere), harmonische Lebendgewichtzunahme, Futteraufnahme und Futterverwertung, Ausfälle, Schlachtalter und Schlachtgewicht.

Für das Pilotprojekt ausgewählt wurde das Sulmtaler Huhn. Das Sulmtaler stammt vom schweren Schlag des steirischen Landhuhns ab. Sulmtaler sind wetterfeste Zweinutzungshühner, mit würzigem Fleisch und einer Legeleistung von ca. 150 Eiern im Jahr. Sulmtaler werden seit mehr als 300 Jahren hauptsächlich in der Steiermark gezüchtet.

Artikel in der Bio-Fibel: Chicken Run mit Anlaufschwierigkeiten